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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Künzi Magic Flame [Hobo]


Norbert
11.09.2006, 22:11
Ich hab das hier mal runtergeschrieben, weil der Wunsch nach einem Vergleich zwischen den "Hobokochern" WK15 und Magic Flame geäußert wurde. Die erste Hälfte (http://forum.outdoorseiten.net/viewtopic.php?t=15473) gibt's dank Mephisto ja schon – hier nun der Magic Flame. Einwände, Ergänzungen, Praxiserfahrungen gerne anfügen.


Erste Eindrücke vom Magic Flame

"Magic Flame" klingt eher nach Teleshopping als nach Schweizer Qualitätsprodukt. Ich nenne das Ding daher bei seinem Familiennamen: Künzi.


http://jeep.cfasp.de/upload/187928.jpg

Der Künzi kommt schweizerisch pur im hitzebeständigen, tannengrünen Leinensäckli mit Tupfenmuster; auch erhältlich – kein Witz – mit apartem Blumendekor. Dieses Kocherexemplar war bereits zweimal in Betrieb und zeigt daher die typischen Anzeichen fortschreitender Verfärbung. Das Material ist 1 mm Edelstahl und somit bei korrektem Umgang rostfrei. Das Feuerzeug dient hier nur dem Größenvergleich: zusammengelegt ist der Künzi exakt 115 x 150 mm (somit etwas über postkarten-) groß und unter 10 mm dick. Die Küchenwaage sagt: Kocher 536 g, Beutel 15 g; die sehr ausführliche A4-Anleitung wurde nicht gewogen. Preis bei Därr: stattliche EUR 69,95.


http://jeep.cfasp.de/upload/187918.jpg

Die Verarbeitung wirkt unverwüstlich und sehr zweckmäßig – keine Niete, keine Schrauben, keine Grate, keine losen Teile. Alle Verbindungen sind sauber gerollt. Der Hersteller verspricht 5 Jahre Garantie. Schon das Aufstellen ist ein Vergnügen: einfach das Blechpaket auseinanderziehen, der anscharnierte Boden fällt scheppernd in Position – fertig.


http://jeep.cfasp.de/upload/187947.jpg

Kocher von oben. Auf Fels muss der viereckige Kocher ein wenig ausgerichtet werden, um fest zu stehen. Die "Topfauflage" misst ca. 16 cm in der Diagonalen; ihr kleinster Durchmesser beträgt ca. 13 cm. Man braucht also mindestens ein 15 cm Kochgefäß.


http://jeep.cfasp.de/upload/187938.jpg

Experimentierfreudige können den Künzi – mit hochgeklapptem Boden – auch als Dreieck oder gar als Viertelquadrat aufstellen; passt dann für den kleinsten Napf. Auch beschrieben wird der kopfstehende Betrieb mit dem Bodenblech als Grillrost. Falls man keine Briketts im Wald findet, stell ich mir da das Befeuern schwierig vor.


http://jeep.cfasp.de/upload/187950.jpg

Kurz mal Holz gesammeit: Mit dem hier gezeigten Häuflein (kaum eine halbe Einkaufstüte voll) brannte der Kocher über eine Stunde. Äste bis ca. 4 cm Stärke ließen sich gut verwenden; beim Portionieren des trockenen, ungewöhnlich harten Holzes musste die Fiskars helfen.


http://jeep.cfasp.de/upload/187942.jpg

Ein Liter Wasser: das Survival-Infrarotthermometer zeigt erfrischende 13 Grad. Der geschlossene Topf kommt auf den bereits angeheizten Kocher...


http://jeep.cfasp.de/upload/187920.jpg

Hier kocht das Wasser (bei leichtem Wind, ca. acht Grad Außentemperatur und moderater Brennstoffzufuhr) nach ca. zehn Minuten. Es werden kürzere Zeiten berichtet, die mit gründlicherem Vorheizen sicherlich erreichbar sind. Besonders schnell geht's mit einem Schuss Petroleum.

Zum Nachlegen muss ein großer Topf normalerweise angehoben werden; ein umschlagsicherer, stets kühler Henkel wie hier hilft da sehr. Etwas zu lange Scheite ragen seitlich aus den Abzugsöffnungen und brennen problemlos runter. Oft kann man längere Stücke horizontal unter dem Topf hindurchführen. Problemlos ist die Asche: Wie desöfteren geschildert, verbrennt das Holz vollständig zu feinkrümeliger, weißer Asche, die durch gelegentliches Stochern im Kocher mühelos ins Freie transportiert wird. Brennstoffverbrauch beim Test: keine zwei Hände voll Kleinholz.


http://jeep.cfasp.de/upload/187936.jpg

Autsch – meine Snow Peak Luxustöpfe haben echt schon besser ausgesehen. Aber für sowas sind sie schließlich da. Der Kocher hingegen blieb nahezu sauber (und nebenbei auch frei von nennenswerten Verformungen). Besonderen Reinigungsbedarf – gar Zerlegen und dergleichen – erkenne ich vorerst nicht. Knapp zehn Minuten nach dem Verlöschen oder Leeren ist der Künzi kühl genug, um ihn einzupacken. Auch dabei bleiben die Finger sauber.


http://jeep.cfasp.de/upload/187925.jpg


Fazit:

Gegenüber üblichen Trekkingkochern hat so ein "Designer-Hobo" erwartete Vorteile:

- Brennstoff fast überall erhältlich,
- Brennstoff kostenlos in oft unbegrenzten Mengen,
- Kocher entsorgt zugleich Abfälle,
- leuchtet und wärmt,
- leise,
- 100% zuverlässig,
- darf in jedes Flugzeug,
- minimales Packmaß,
- gemütlich.

Die Nachteile sind:

- nicht unbedeutendes Gewicht,
- braucht relativ viel Aufmerksamkeit im Betrieb (kaum bei starkem Holz),
- qualmt,
- Betrieb braucht ein paar Minuten Vorbereitung (Holzsammeln halt)
- verrußtes Kochgeschirr kontaminiert Hände und Ausrüstung
- offenes Feuer nicht überall willkommen,
- brennt ohne Vorkehrungen unschöne Löcher in die Landschaft,
- Anschaffung relativ teuer.

Je länger man mit dem Künzi wirtschaftet, um so durchdachter erscheinen einem die Details; etwa die optimal geformten Abzugsöffnungen, die einteilige Konstruktion. Der Aufbau ist unübertroffen schnell, der Abbau (zumindest des Kochers) sauber. Die gegenüber dem WK15 größere Grundfläche ist günstig für stärkere Scheite mit längerer Brenndauer. Solotourer mit sehr kleinen Kochgefäßen werden hingegen den WK15 bevorzugen.

Auf Rucksacktour hätte ich keine Bedenken, nur mit dem Künzi zu reisen. Limitierend erscheint mir da weniger der Brennstoffnachschub als die meist begrenzten Möglichkeiten zu offenem Feuer. Meines Wissens sind Hobokocher bei Bikern populär; auf meinen Land-Rover-Touren wird der Künzi ein idealer Zweitkocher sein. So kann ich ausdauernd und günstig mit Holz kochen – aber ich muss nicht die für ein Campfeuer üblichen Mengen Holz beschaffen und transportieren. Zweitens gewährleistet er – mehr als jeder Multifuelkocher – dass man nie ohne funktionstüchtigen Kocher oder ohne Brennstoff dasteht.

Das ist eine ganz neue, willkommene Erfahrung und die siebzig Euro glatt wert.

Norbert


Links:
Hersteller: Künzi Creative Concepts (http://www.kuenzi.com/mf.htm)

vince
11.09.2006, 23:33
Hey, danke für den super Test. Der hat es echt in sich. Jetzt muss ich mir nur entscheiden ob ich den Künzi oder den WK15 mein eigen nennen will.

Gruß
vincent

Mephisto
11.09.2006, 23:41
Jo gefällt mir auch sehr geht. Ausschlaggebend war für mich ehrlich gesagt der (nicht unwesentlich) günstigere Preis des WK 15 (und das Gewicht ;-) )

Gruß
Benni

iamon
11.09.2006, 23:46
Toller Test, bin aber noch in meinen Selbstbau-Überlegungen verstrickt. Es gibt so viele unterschiedlich Hobo-Modelle, alle mit individuellen Vor- und Nachteilen...
Momentan sind für mich Gewicht und Preis ausschlaggebende Faktoren.

vince
14.11.2006, 11:03
(und nebenbei auch frei von nennenswerten Verformungen)

Hey, kannst du sagen wie doll sich das Metal verformt und ist zu erwarten das der Künzi sich noch weiter verformen könnte? Es wär blöd wenn er irgendwann nicht mehr in einander passt. Die Tage kommt der Wk15 an und wenn mir das Hoboprinzip gefällt, kommt der Künzi :) Nur die Verformung macht mir Angst.

lg
vince

vince
14.11.2006, 11:03
(und nebenbei auch frei von nennenswerten Verformungen)

Hey, kannst du sagen wie doll sich das Metal verformt und ist zu erwarten das der Künzi sich noch weiter verformen könnte? Es wär blöd wenn er irgendwann nicht mehr in einander passt. Die Tage kommt der Wk15 an und wenn mir das Hoboprinzip gefällt, kommt der Künzi :) Nur die Verformung macht mir Angst.

lg
vince

Norbert
14.11.2006, 12:36
Hi Vince,

in der Anleitung zum Künzi heißt es, dass geringe, meist vorübergehende Verformungen normal sind. Bei rostfreiem Stahl ist das offenbar nicht vermeidbar.

Bei meinem Künzi krümmte sich nach mehrmaligem Gebrauch der Boden unmerklich (mit bloßem Auge nicht sichtbar) und sperrte beim Zusammenlegen. Mit bloßen Händen war das Ding aber in Sekunden gerichtet; ich erkenne da kein Problem. Von anderen (zufriedenen) Benutzern habe ich schon ähnliches gelesen.

Gruß,

Norbert

Norbert
14.11.2006, 12:36
Hi Vince,

in der Anleitung zum Künzi heißt es, dass geringe, meist vorübergehende Verformungen normal sind. Bei rostfreiem Stahl ist das offenbar nicht vermeidbar.

Bei meinem Künzi krümmte sich nach mehrmaligem Gebrauch der Boden unmerklich (mit bloßem Auge nicht sichtbar) und sperrte beim Zusammenlegen. Mit bloßen Händen war das Ding aber in Sekunden gerichtet; ich erkenne da kein Problem. Von anderen (zufriedenen) Benutzern habe ich schon ähnliches gelesen.

Gruß,

Norbert

vince
14.11.2006, 12:40
Danke, ich werde es selber ausprobieren. Solange ich den wieder zusammen bekomme ist alle ok.

lg
vince

vince
14.11.2006, 12:40
Danke, ich werde es selber ausprobieren. Solange ich den wieder zusammen bekomme ist alle ok.

lg
vince

Grom
18.01.2007, 18:03
Halle Leute,

ich habe den Kocher auch schon seit über einem Jahr und habe sehr oft darauf gekocht, sogar mit normalen Haushaltspfannen. Die Töpfe und Pfannen haben bei mir immer guten Halt auf dem Kocher, wenn man ihn einigermaßen gerade hinstellt:

Auf dem Bild habe ich eine kleine Holzplatte untergestellt, die ist natürlich durchgekohlt.

http://img444.imageshack.us/img444/9839/p1100257rk0.gif

Bei mir hat sich bis jetzt nichts verzogen,was irgendwie stören könnte. Der Kocher ist unkaputtbar.

Ein Nachteil ist aber dass er relativ lange Zeit zum Abkühlen braucht, im Vergleich zu meinem Benzinkocher (Primus Multifuel).

Kann ihn nur weiterempfehlen, ich denke er ist sein Geld wert.

Norbert
18.02.2007, 11:29
Noch eine Lektion aus der Praxis: Die Schachtelform des Künzi lässt einen leicht vergessen, dass er genauso windempfindlich ist wie jeder andere Kocher. Als ich jüngst in steifer Brise bei ca. 5 Grad Außentemperatur ein Nudelgericht köcheln wollte, gab ich nach 20 Minuten auf und warf den XGK-Kocher an. Also: windgeschützt aufstellen oder Gelduld mitbringen.

Norbert
30.09.2007, 18:12
http://www.euroupload.eu/daten/1191166668_kuenzi_campfire.jpg


Da hier des Öfteren nach Praxis- und Langzeiterfahrungen zum Künzi Magic Flame gefragt wurde, will ich nach einem Jahr doch wenigstens einen kurzen Abschlussbericht liefern, der näher auf den Praxisnutzen eingeht. Ich hatte den Magic Flame als sporadisch zu nutzenden Spaß- und Reservekocher angeschafft, der die ständige Kochausrüstung in meinem Land-Rover ergänzt. Der tatsächliche Nutzen erwies sich als deutlich größer:


Gebrauchswert:

Das Kochen auf dem Künzi macht Riesenspaß – sofern nicht extreme Nässe oder starker Wind den Betrieb erschweren. Unter beinah jedem x-beliebigen Baum findet sich in Minuten genügend Bruchholz für stundenlangen Kocherbetrieb. Etwas mehr Aufmerksamkeit fordert meist das Beschaffen von geeignetem Anzündmaterial.

Der Künzi half mir aus der Klemme, wenn ich überraschend eine zweite Kochflamme brauchte. Es schmeckt einfach besser, wenn der Reis zum Huhn noch warm auf den Teller kommt.

Den weitaus größten, eher unerwarteten Nutzen entfaltet das Ding jedoch – als herausragend komfortables Lagerfeuer! Während andere mit kiloschweren Äxten in den (hoffentlich vorhandenen) Wald marschieren, um Stunden später erschöpft vor einer sperrigen Feuerschale einzuschlafen, stell ich einfach nur meinen Künzi hin und sammle in einer Viertelstunde genügend Holz für einen ganzen Abend. Eine mittlere Einkaufstüte fasst Kleinholz für ca. zwei Stunden Betrieb. Mich an kühlen Sommerabenden am prasselnden Künzi zu wärmen, während ich mein zweites Becks aufmache, ist eine Freude, die ich nicht mehr missen möchte.

In Fotoberichten zu Holzkochern sieht man meist Reisig oder fingerdicke Ästchen als Brennstoff, der hektisch nachgefüttert wird. Dies entspricht nicht der Praxis. Der Künzi verbrennt richtiges Holz. Nur drei dicke Aststücke, die gemeinsam reinpassen, brennen in jedem Fall. Da kann man sich auch mal bequem zurücklehnen. Wer den Künzi zu mehr als nur zum schnellen Kochen verwendet, sollte nach Möglichkeit ein Beil oder wenigstens eine Taschensäge dabeihaben. Ich benutze ein Fiskars Campingbeil (600g).


Technik:

Der Künzi ist absolut zuverlässig. Bei extrem heißem Betrieb (weil man z. B. Petroleum zugoss oder den Kocher als Windschutz für den XGK missbrauchte) kann er sich kaum merklich verziehen. Mit bloßen Händen bringt man das Ding aber jederzeit schnell wieder in Form.

Grob unsachgemäße Lagerung (über Monate in einer feuchten, versehentlich luftdicht verschlossenen Zarges Küchenkiste) kann zu Spuren von Flugrost am Kocher und Stockflecken an der Tasche führen. Aber auch das bekam ich problemlos wieder weg.


Fazit:

Der Künzi bietet

• einen idealen Notkocher,
• einen leistungsstarken Zweitkocher, der beinah null Stauraum braucht,
• stundenlang Licht und Wärme an kühlen Abenden,
• ein kleines Lagerfeuer mit hohem Komfort und Sicherheit bei minimalem Brennstoffbedarf.

Gegenüber üblichen Kochern liegen seine Stärken ganz klar im Marathonbetrieb (Licht, Heizung, Trinkwassergewinnung). Das normale Kochfeuer – auch die portable Feuerschale – übertrifft er durch Sparsamkeit, Sicherheit, Leistung, Komfort. Durch den Bodenrost ist er – mit einem geeigneten Unterbau – auch auf Schnee einsetzbar.

Für Fahrzeugreisende und Trekkinggruppen in Gegenden, wo ausgewachsene Lagerfeuer nicht praktikabel sind, finde ich den Künzi beinah ein Muss. Der Künzi Magic Flame bekommt daher von mir das Prädikat:

*** Unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand ***


Viel Spaß beim Zündeln!

Norbert

motorang
24.09.2008, 08:36
Ich hab das hier mal runtergeschrieben, weil der Wunsch nach einem Vergleich zwischen den "Hobokochern" WK15 und Magic Flame geäußert wurde. Die erste Hälfte (http://forum.outdoorseiten.net/viewtopic.php?t=15473) gibt's dank Mephisto ja schon

Jepp, nur ist der Link inzwischen tot ... der hier funktioniert:
http://forum.outdoorseiten.net/showthread.php?t=14325

Gryße!
Andreas, der motorang

lutz-berlin
10.10.2008, 14:59
der hobo-ofen von "expedition" (künzi nachbau?)
funzt einwandfrei.
mit einem 12,5cm dampfeinsatz kann man auch kleine gefäße daruf sicher stellen.876

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878

879
ACHTUNG: die russ-entwicklung am kochgeschirr ist schon heftig


lutz

Dani
15.10.2008, 19:50
*** Unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand ***


naja, bei Kocher 536 g wohl eher nicht.

Inarijoen Peter
15.10.2008, 20:56
Für gewisse Verwendungszwecke sicher ein geeigneter Kocher. Da hier in Finnland grundsätzlich offenes Feuer nur mit Erlaubnis des Grundeigentuemers erlaubt ist, würde ich diesen Kocher nicht auf eine längere Tour mitnehmen. Die hier öfters verhängten absoluten Feuerverbote würden einem dann automatisch zur kalten Küche zwingen.