Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Panik/Angst/Gruppendynamik in Extremsituationen
JMarwede
11.02.2006, 04:17
Moin,
wie mir auf de Forumstreffen angeraten worden ist, habe ich damit begonnen, mir Problemfälle mit Outdoor/Survivalbezug und mögliche Lösungswege auszudenken/nachzuschlagen.
Gedankenspiel (es mag extrem sein und evt. unlogisch, aber lassen wir das mal aussen vor):
Folgendes Problem:
Man Gerät mit einer größeren Gruppe in einen Unfall/Unglück und es ist nicht sofort möglich, Hilfe zu alarmieren/bzw. das eine Rettung ist vorerst nicht ersichtlich. Es gibt Verletzte und evt. Tote. Einer oder mehrere Gruppenmitglieder zeigen Anzeichen von Panik.
1. An welchen körperlichen Symptomen kann man ohne genaue Untersuchung aus nächster Nähe eine aufkommende Panik/Extreme Angst-Stress-Situation erkennen?
2. Gehen wir davon aus, ein Gruppenmitglied reagiert Panisch und verliert die Kontrolle über sich. Wie ist damit umzugehen? Mglw. bringt er sich selber und andere Gruppenmitglieder in Gefahr oder sorgt dafür, das andere Gruppenmitglieder ebenfalls in Panik verfallen.
Meine bisherigen Lösungsüberlegungen:
- Beruhigend einwirken
- Verletzungen versorgen
- evt. banale Beschäftigung übertragen
- evt. Isolieren von der Gruppe/ vom Unfallort (Tote/Verletze)
Habt ihr noch weitere Vorschläge?
3. Gibt es eine sinnvolle Möglichkeit ein Panikopfer medikamentös ruhigzustellen? Wenn ja, womit und was müsste man beachten. Wenn nein, warum nicht?
Wäre schön wenn ihr mir ein paar eurer Weisheiten zukommen lassen könntet. Danke!
Nochmal... Theorie.
mfg jan
Falls zur Hand Diazepam (Valium). Sind Angst und Krampf lösend.
Neben seiner Anwendung zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen wird Diazepam in der Prämedikation vor chirurgischen und diagnostischen Eingriffen eingesetzt. Ebenso findet es als Muskelrelaxans und als Notfalltherapeutikum zur Behandlung epileptischen Grand-mal-Anfällen sowie zur Vermeidung von Grand-mal-Anfällen, falls Anzeichen vorher bemerkbar sind, Verwendung
Diazepam führt zu einer Reduktion des Skelettmuskeltonuses und zur Schläfrigkeit und beeinträchtigt dadurch das Reaktionsvermögen auf längere Zeit.
Diazepam kann bei täglicher Einnahme über wenige Wochen psychisch und körperlich abhängig machen. Es ist bei regelmäßiger Anwendung zu äußerster Vorsicht zu raten! Das gilt nicht nur für die missbräuchliche Anwendung, sondern auch für den therapeutischen Dosisbereich. Es wird geschätzt, dass in Deutschland mehrere hunderttausend Menschen betroffen sind.
Beim plötzlichen Absetzen der Therapie nach längerer Anwendung können enorm starke Entzugserscheinungen eintreten, die sich - je nach Dauer der Anwendung und Dosis - über viele Jahre als Neuralgien (Nervenschmerzen) bemerkbar machen.
Danke Wiki..ich hätts halt nicht so gut formulieren können
LG, Michael
JMarwede
11.02.2006, 06:10
Klingt Verschreibungspflichtig... :o
mal Abgesehen von der eher Unwahrscheinlichkeit der Vorhandenheit, ich ich bin da generell skeptisch was Beruhigungsmittel angeht, in einer solchen physischen und psychischen Extremsituation.
Was führen öffentliche Verkehrsmittel an Erste-Hilfe-Material mit?
(Busse, Bahn) Gibt es da anderen Richtlinen als für PKW? Und wie sieht das in Flugzeugen aus? Sind da Medikamente an Bord?
mfg jan
Hi,
zur Panik habe ich im Gruppenführerlehrgang BW folgendes gelernt:
Der oder die Verursacher sind sofort, und mit aller notwendigen Gewalt niederzudrücken, denn Panik wirkt besonders in engen Räumlichkeiten oder Menschenmengen ansteckend.
Wenn der Mensch auf den Bauch zu liegen gekommen ist/gezwungen wurde, an den Oberarmen packen und mit schnellem Schwung in eine sitzende Position ziehen, wobei man selbst hinter ihm zu sitzen kommt. Der Kopf sollte in etwa auf Höhe des eigenen Herzens zu liegen kommen, die Arme können leicht zwischen den eigenen Oberschenkeln und Körper Eingeklemmt werden, wenn nötig mit den eigenen Armen an den Schultern niederhalten. Nach mehr oder wenig langer Dauer wirkt der eigene Herzschlag beruhigend auf den Patienten und sollte sich durch zureden Beruhigen lassen. Das Wichtigste ist jedoch die Verbreitung der Panik zu vermeiden, und den Patienten an einen separaten, ruhigen und bestenfalls angenehm warmen Ort zu bringen. Es ist damit zu Rechnen das der Betroffene sich erbricht, dabei sollte man ihn kurz hoch lassen um das Erbrechen zu erleichtern.
Hehe, weis ja das die BW unter umständen recht Herzlos reagiert und das meist das fortkommen der Gruppe im Vordergrund steht, daher könnte das obige im Zivilen mit Vorsicht zu genießen sein. Währe interessant zu Hören was ein Arzt dazu meint.
Chalk2
Ich glaube kaum, dass im regulären Erste-Hilfe-Material Medikamente mitgeführt werden.
Das Problem ist nämlich die Haftung. Medikamente, egal was, auch wenns nur nen Aspirin oder die Betaisodonasalbe auf der kleinen Wunde ist, dürfen AFAIK nur von Ärzten verordnet bzw. verabreicht werden. Wenn man ohne ärztliche Verordnung selber was nimmt, geschieht das auf eigene Verantwortung, also beispielsweise die Aspirin wenn man dick verkatert aufwacht :wink:.
Wenn man aber jemandem anderen was verabreicht (wie zum Beispiel im genannten Beispiel nem Panischen ne Diazepam), trägt man, also derjenige der das Medikament verabreicht, die volle Verantwortung und kann dann auch haftbar gemacht werden. Gerade Diazepam ist ja auch nicht ganz ohne Risiken (siehe oben).
Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass solche Hämmer in öffentlichen Verkehrsmitteln regulär mitgeführt werden, wenn überhaupt irgendwelche Medikamente.
Wenn man Glück hat ist nen Arzt in der Gruppe, der könnte dann entsprechend handeln, jedenfalls wenn er ne entsprechend ausgestattete Apotheke dabei hat...
Leider kann ich ansonsten auch nicht mehr zu dem Problem beitragen... :(
chris
Das Bundeswehr-Rezept ist imho mit Vorsicht zu geniessen.
Zumindest muss man SEHR genau wissen, was man da macht, bevor man sich drauf einlässt. Und in der Lage sein, gegen die enormen physischen Kräfte anzukommen, die eine panische Person entwickelt.
Grundsätzlich mag es stimmen, dass es notwendig werden kann, die Situation derartig zu lösen.
Ob es aber nach einem solchen "Patentrezept" funktioniert? Ich denke, wenn man es nicht mit einer Gruppe ausgebildeter und mehr oder weniger auf die Situation vorbereiteter Soldaten zu tun hat, die entsprechende Schritte ausserdem als Entscheidung eines Vorgesetzten akzeptieren werden, sieht die Welt einfach anders aus.
Eventuell verbreitet man mit roher Gewalt nur noch mehr Angst, wird von den anderen (die einen ja selten "einfach so" als Alphatier betrachten werden) als Bedrohung empfunden o.ä.
Und nicht zuletzt sind bei Versuchen, Leute körperlich festzusetzen auch schon gravierende Verletzungen bis hin zum Tod erfolgt - sogar durch ausgebildete Polizeibeamte. Wenn also jemand nicht genaue Ahnung davon hat, was er mit seinen Hebelkräften alles anrichten kann und wo kritische Punkte am Körper sind, wirds eventuell ganz übel.
Leider kenne ich die pokerfacige Propagierung dieser Ansätze meist von eher kraftmeierisch veranlagten jüngeren Leuten männlichen Geschlechts, die es irgendwie "cool" finden, sich mit körperlicher Gewaltanwendung auszukennen (geht nicht an Dich Chalk - spreche hier nur von mir persönlich bekannten Leuten) - was sie aber meistens gerade nicht tun. In entsprechender Lage traue ich denen eher eine sich wüst entfaltende Schlägerei zu als ein gezieltes effektives Eingreifen.
Ich sehe es also eher kritisch - vielleicht nicht immer vermeidbar, aber in weniger disziplinierten Zusammenhängen zumindest mit einer grossen Dosis beruhigender Vorgehensweise zu kombinieren. Und jede Art von körperlicher Berührung/Festhalten ist für jemanden mit Angst nicht beruhigend, sondern ein absoluter Angstverstärker.
Zwiebelforscher
12.02.2006, 20:19
gwaltanwendung darf imo nur erfolgen, wenn alle anderen möglichkeiten erfolglos blieben. durch gewaltsame übergriffe schmälern enorm den zusammenhalt der gruppe und sind somit eine große gefahr für das erfolgreiche miteinander.
in erster linie ist es meiner meinung nach wichtig, eine charismatische person zu finde, welche ind er lage dazu ist, die gruppe hinter sich zu bringen um so immer einen menschen zu haben, an den man sich bei bedarf wenden kann. für den zusammenhalt der gruppe ist dies unumgänglich. entscheidungen werden nach möglichkeuit demokratisch beschlossen, allerdings mit der ausnahme, dass personen, die mit gewisssen materien gut vertraut sind, das letzte wort haben sollten.
dies ist alles nur theoretisch hier, von daher weiß ich nicht inwiewiet dies ind er realität umsetzbar ist. versuchen sollte man es jedoch.
mannimmond
25.02.2006, 00:39
Ganz wichtig ist, selber ruhig zu bleiben und die Übersicht zu behalten. In solchen Momenten ist es dann aber mindestens genau so wichtig, daß einer die Koordination in der Gruppe übernimmt, klare Anweisungen gibt wer was zu tun (und eventuell auch zu lassen) hat. In deratig "geordneten" und "klaren" Verhältnissen, in denen jeder weiß was er zu tun hat kommt viel weniger Panik und Missbehagen auf. Auch eventuelle Panikanfälle gehen so leichter vorüber.
In so einer Situation ist jedoch das Modell Bundeswehr (die Gruppe zahlt alles, der einzelne nichts) sehr sehr realitätsnah. Ein einzelner kann durch falsches Verhalten oder Panik die ganze Gruppe massiv gefährden. Insofern muß er wie hier schon beschrieben wenn andere Methoden nicht fruchten notfalls auch mit korperlicher Gewalt beruhigt werden.
Medikamente würde ich persönlich von mir aus sicher nicht verabreichen. Das Risiko (das ist Körperverletzung!) und die Gefahr ist für mich als Laie zu hoch. Wenn ich jedoch Aktionen, wo mit derartigen Situationen gerechnet werden muß, mit Freunden zusammen unternehme, wird teilweise im Voraus ausgemacht, ob in einem Notfall die vorhandenen Medikamente an andere ausgegeben werden. Dann kann jeder im Vorfeld selber entscheiden, ob er ein Medikament nehmen möchte oder nicht.
na ja, wenn ich im Nirgendwo bin und einem panischen Gefährten Valium verabreichen will/muss, dann werden mir juristische Folgen kaum zuerst in den Sinn kommen - so schätz ich mich jedenfalls ein :wink:
sicherlich ists auch praktisch, wenn jemand mit einer gewissen Survivalerfahrung erklären kann, was gemacht werden muss. Einem Menschen, der weiss, was er macht, wird öfter und mehr vertraut.
Mal aus meiner pers. Erfahrung mit Gruppen und Einzelpersonen verschiedenen Alters, verschiedenen sozialen Schichten, männlich wie weiblich und versch. Situationen.
Panik, extreme Angstzustände, extreme Überforderung u.s.w. (die Liste der menschlichen Verhaltensweisen die in Notsituationen leider unpassend sind ist lang) lassen sich vom Verhalten her grob in 2 Bereiche eingliedern.
1. Menschen die aktiv "panisch" sind (Hektik, Agressives Verhalten, allgemein reges körperliches, wie verbales Verhalten)
2. Menschen die passiv "panisch" sind. Sie wirken auf den ersten Blick meist ruhig und gelassen. Bei Ansprechen und näherem Augenkontakt erscheinen sie apathisch, und gedämpft.
Beides ist für die Gruppe wie für den Einzelnen gefährlich.
Zum Umgang mit "Panikverhalten" zeigenden Menschen:
Hierbei gibt es m.M nach grob 3 Möglichkeiten.
Es gilt prinzipiell: Panik oder Angst entsteht aus nicht gewohnten, bedrohlichen Situationen. Diese Situationen gilt es umzuwandeln in etwas gewohntes, vertrautes, bekanntes oder auch in bestehende, gewohnte (evtl. auch negative) Schematas.
1. Wie schon oft gesagt beruhigend und tröstend einwirken, evtl. körperlicher Kontakt (Umarmen, festhalten, wiegen, streicheln wirkt direkt auf Kindheitserinnerungen)
2. Aufgaben verteilen. Viele Menschen reagieren instinktiv auf Anweisungen fühlen sich dadurch gebraucht und schalten um. Oder kennen es aus ihrer Lebens wie Berufssituation daß wenn es brenzlig und eng wird jemand da steht und alles regelt. (Vater, Mutter, Gott Prinzip)
3. Anschreien. Viele Menschen reagieren in Paniksituationen leider am Besten (oder nur noch) wenn man sie anschreit und verbal zur Sau macht.
(Auch das weckt viele Schematas die sie gelernt haben durchzuführen. Es rüttelt sie auf und sie funktionieren)
Die kleine Kunst bei dem Ganzen ist natürlich zu erkennen wer welche Methode braucht.
Die etwas größere Kunst ist, all die 3 Möglichkeiten glaubhaft und möglichst effektiv rüberzubringen. (Nicht alle Menschen können jemand trösten, u.s.w und gleichzeitig jemand anderen anschreien und zur Sau machen.
Die noch etwas größere Kunst (bei einer gemischten erwachsenen Gruppe) ist es sich als "Führer" darzustellen. (Wer sagt dir denn daß im Notfall alle auf dich höhren und nicht auf irgendjemanden der ein besseres Auftreten hat.)
Die allergrößte Kunst ist aber die, daß du in der ganzen Notfallsituation (Flugzeugabsturz u.s.w.) die Kraft besitzt diese ganzen theoretischen Ergüsse die hier alle (einschließlich meiner einer) zu Potte getragen werden in der Praxis auch erfüllen kannst.
Shorty66
05.03.2006, 15:53
Besonders extrem ist natürlich ein Schockzustand.
Falls es tatsächlich tote oder ecklige wunden gibt, kann sowas schonmal vorkommen.
Besonders gefährlich an einem Schock ist, dass die betroffene Person oft einfach gelassen wirkt. Gleichtzeitig schwebt sie jedoch in Lebensgefahr da sogar ein Herzinfakt durch einen Schock ausgelöst werden kann.
Bei der ersten Hilfe lernt man daher: Die, die noch schreien sind gar nicht so übel dran. Aber die, die nicht mher schreien brauchen dringenst hilfe.
Wichtig ist bei einem Schockzustand das der Betroffene aktiv eingebunden wird.Also: reden, aufgaben geben und eben auf ihn aufpassen. Gut ist sicher auch einen betroffenen mit ein paar anderen von der Unfallstelle zu isolieren.
Generell lernt man sowa seigentlich im erste-Hilfe kurs.
Ich merk aber auch das mein wissen da nicht mehr das frischeste ist. daher bin ich ja auch in zwei wochen mal wieder angemeldet.
Mein Tipp: mindestens alle zwei Jahre nen ertse Hilfe Kurs über 8 Doppelstunden machen. Der für den Führerschein notwendige Kurs
"Lebensrettende Sofortmaßnahmen" reicht meiner meinung nach NICHT aus.
Mfg Christian
underwater
05.03.2006, 16:55
Hi,
zur Panik habe ich im Gruppenführerlehrgang BW folgendes gelernt:
Der oder die Verursacher sind sofort, und mit aller notwendigen Gewalt niederzudrücken, denn Panik wirkt besonders in engen Räumlichkeiten oder Menschenmengen ansteckend.
Chalk2
Mann bin ich froh nicht bei dem Idiotenhaufen gewesen zu sein...
Was lernt man da eigentlich?
Sorry :grrr:
jaja - mä' schimpft se' solang' idioten, bis mer' se' ma' braucht
Zwiebelforscher
05.03.2006, 18:43
der verteidigungsfall wird in deutschland wohl nicht so bald eintreten...und wenn es wirklich mal soweit kommen sollte, dann sind die wehrpflichtigen sowieso hoffnunglos überfordert...berufssoldaten werden dann wohl die wichtigen aufgaben übernehmen und die schwächend er armen wehrpflichtigen ausgleichen müssen...
naja ich bin froh, dass ich zivi mach, so haben wenigstens andere leute was von dem was ich tue und die steuergelder werden nicht sinnlos verschwendet...
Onkel Tom
05.03.2006, 18:50
Hey Leute das Thema Zivi's / Bundeswehr hatten wir schon mal! Bleibt beim Thema!!!! :grrr:
Gruß
TOM
der verteidigungsfall wird in deutschland wohl nicht so bald eintreten...und wenn es wirklich mal soweit kommen sollte, dann sind die wehrpflichtigen sowieso hoffnunglos überfordert...
Nicht nur die, es ist erwiesen, dass die BW die BRD nicht verteidigen könnte - was nicht heißen soll, dass die BW aus schlechten Soldaten besteht!
Um zum Thema zurückzukommen: Bei leichten Shockzuständen, hilft meist ganz einfache Ablenkung durch einen Witz o.ä., am besten einen, der sich auf den Shock-Auflöser bezieht.
nordkette
05.03.2006, 19:19
Hallo jan,
ich kann dir in diesem Zusammenhang folgendes Kapitel
"Mentale Einstellung und psychische Probleme in Extremsituationen"
aus dem Buch "Expeditionshandbuch" von Matthias Hake empfehlen.
(Seite 181 bis 191)
---
Zitat aus "Expeditionshandbuch", Matthias Hake, pietsch Verlag, 1. Auflage 2005, Seite 183:
"... Die Handlungen in Panik befindlicher Personen sind unüberlegt, ziellos und unbeherrscht [...] Panik tritt relativ selten auf, wirkt aber sehr ansteckend. [...] Panikreaktionen von Gruppen sind nur schwer zu beenden, auch wenn erfahrene Personen anwesend sind.
Um vorbeugend Panik zu vermeiden sind so oft wie möglich Informationen und Anweisungen zu geben. [...] Offensichtlich [...] in Panik geratene Personen sind zu isolieren. Ist eine Panik aufgetreten, müssen Helfer gut hör- und sichtbar sein, Anweisungen sind in sicherem Ton zu geben. [...]"
---
Aus meiner Erfahrung als Security (bei Grossveranstaltungen) kann ich selbst bestätigen, wie unglaublich wichtig Information; das "Aufgreifen" von unsicher werdenden (Einzel-) Personen (durch Ansprechen und vor allem durch Zuhören - ohne allzu viel selbst zu sagen) und das Vermitteln von Sicherheit durch ein entsprechend gefestigtes Auftreten ist.
Gerade bei "verbalem Eingreifen" gilt folgende Regel: "Weniger ist mehr." Je kürzer, klarer und eindeutiger Anweisungen und Information gegeben werden, desto leichter lassen sich auch größere Gruppen führen.
Ziel ist, den Personen folgendes Gefühl zurückzugeben:
"Sie befinden sich einer sicheren, kontrollierbaren Situation." Punkt.
Nur darf man das nie direkt so sagen, da kann es schon passieren, dass jemand erst recht unsicher wird. D. h. das diese Botschaft durch das eigene Auftreten (Präsenz vermitteln, Kompetenz vermitteln, "Haltepunkt sein") vermittelt werden muss.
Das ist etwas was man aber auch lernen muss - am besten durch "learning by doing". Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass das regelmäßig "geübt" werden sollte bzw. muss.
Der Versuch, allein durch physische Anwesenheit bzw. sogar Überlegenheit eine aufkommende Panik zu verhindern, ist aber schlichtweg unmöglich - und fördert sogar unter Umständen nur die Aggressionbereitschaft - was dann erst wieder zu einer weiteren Eskalation führen wird.
Mit Gruss, nordkette
OT: der verteidigungsfall wird in deutschland wohl nicht so bald eintreten...und wenn es wirklich mal soweit kommen sollte, dann sind die wehrpflichtigen sowieso hoffnunglos überfordert...berufssoldaten werden dann wohl die wichtigen aufgaben übernehmen und die schwächend er armen wehrpflichtigen ausgleichen müssen...
naja ich bin froh, dass ich zivi mach, so haben wenigstens andere leute was von dem was ich tue und die steuergelder werden nicht sinnlos verschwendet...
ein letztes schulternzucken zu dem thema:
übertretende flüsse, brechende deiche, einstürzende hallen, vogelgrippe[/quote]
Shorty66
07.03.2006, 21:48
na das könnten zivis ja auch regeln... wozu gibt das THW? die nehmen doch auch zivis oder?
Hi,
zur Panik habe ich im Gruppenführerlehrgang BW folgendes gelernt:
Der oder die Verursacher sind sofort, und mit aller notwendigen Gewalt niederzudrücken, denn Panik wirkt besonders in engen Räumlichkeiten oder Menschenmengen ansteckend.
Chalk2
Mann bin ich froh nicht bei dem Idiotenhaufen gewesen zu sein...
Was lernt man da eigentlich?
Sorry :grrr:
Man lernt bei diesem "Idiotenhaufen" Kriegshandwerk" Auch ich war Zivi. Aber:
1. Schon mal überlegt wie man unter Beschuß jemanden mit Panik behandelt ? Wenn du ein bisschen nachdenkst wird die erste Reaktion sein man bringt ihn zum Boden (ganz einfach deswegen daß er nicht erschossen wird)
2. Das was im Handbuch für Panikverhalten beim Bund festgehalten und gelehrt wird ist für den 0815 Soldaten. Sprich einfachste nachzuvollziehende Methoden.
3. Ich als Fachmensch würd mal sagen so schlecht ist die Methode nicht.
4. Die ganzen "beruhigend auf eine Person einwirken" Methoden funktionieren ganz gut wenn man Zeit und Muße hat.
5. Sorry, aber es ist ein riesengroßer Unterschied zwischen theoretischen Scenarien und den praktischen alltäglichen "Notsituationen" wo man entweder nicht die Zeit hat um auf einen Menschen einzugehen, oder aber es die Situation grad mal erfordert schnell eine Entscheidung zu treffen.
Markus K.
10.03.2006, 09:23
[
5. Sorry, aber es ist ein riesengroßer Unterschied zwischen theoretischen Scenarien und den praktischen alltäglichen "Notsituationen" wo man entweder nicht die Zeit hat um auf einen Menschen einzugehen, oder aber es die Situation grad mal erfordert schnell eine Entscheidung zu treffen.
Ich greife mal die Idee von Ice auf und werfe einige Szenario in den Raum,
was angesichts der bevorstehenden WM, nicht unmöglich ist:
-Panik in einem Fussballstadion durch Bombendrohung, Schlägerei, Brand, etc... (Hier ist evtl. noch mehr Platz vorhanden...)
oder
-Gedränge beim Einlass/Ausslass -> dadurch entstehende Panik (hier bin ich/wir mittendrin...)
Hier ist mit Ruhe und Musse nichts zu machen. Hier müssen sinnvolle, schnelle Entscheidungen getroffen werden.
Würde mal gerne Eure Meinungen zu einem sinnvollen Verhalten hören, in folgenden Fällen:
-alleine Unterwegs
-zu zweit
-in einer Gruppe bis 5 Personen
-in einer Gruppe größer 5 Personen
Gruss Markus
Shorty66
10.03.2006, 14:03
-alleine unterwegs: du hast panik... öhm... pech gehabt ;-)
Markus K.
10.03.2006, 15:52
@Shorty
editiert, da ich wohl etwas genervt war.
Siehe Beitrag weiter unten.
Gruss Markus K.
Wenn man alleine mittendrin steckt ist "Pech gehabt" wohl der treffende Ausdruck... :roll:
Bei der Chemie-Weihnachtsvorlesung unserer Uni durfte ich so ein Gedränge (ohne Panik) live miterleben, als ca. 1000 Studenten gleichzeitig duch 2 normale Türen in einen Hörsaal wollten, der für vielleicht max. 800 Personen geeignet ist. :shock:
Der Druck durch die drängende Masse von hinten ist enorm, da bleibt so gut wie keine Bewegungsfreiheit.
Wenn dann noch Panik ausbricht... nicht auszudenken.
Wenn du nicht direkt neben dem Panikopfer stehst, hast du jedenfalls keine Chance, irgendeinen Einfluss auszuüben.
Wenn du Glück hast stehst du am Rand und kannst dich so aus dem Gröbsten raushalten.
Ansonsten wird dir nicht viel anderes übrigbleiben, als mit der Masse mitzugehen.
Überhaupt vorausgesetzt, man bewahrt tatsächlich einen kühlen Kopf.
Ich weiß nicht, ob ich das unter solch extremen Umständen könnte, und die einzige Methode es herauszufinden will ich wirklich nicht erleben!
Kanem
Shorty66
10.03.2006, 17:55
Ähm, sorry ich weiß sehrwohl, dass es dir um ein ernstes Thema geht. Ich hab nur nicht verstanden was du mit einer Paniksituation meinst wenn man allein ist. Klar kann man mal Panik bekommen wenn man alleine ist, aber wenn man schon Panik hat glaub ich nicht das man selbstständig viel dagegen tun kann.
präventiv ist es villeicht möglich, wenn man bestimmte anfälligkeiten bei sich kennt, evt. panikauslösende Situationen zu vermeiden. Aber ich denke das versucht sowieso jeder.
oder hab ich deine frage nach unserer Meinung falsch verstanden?
@markus k.
schön daß du dir über so was Gedanken machst.
Und @ all die Anderen: Es kommt mal prinzipiell darauf an ob ich alleine bin und nur an mich denken muß, dann ist das Ganze relativ einfach.
Wenn ich aber nicht nur allein bin, sondern z.B. mit meiner Familie unterwegs bin (Frau und Kind), oder mit einer in meinem Job Kindergruppe, oder welch auch anderen Gruppe, dann wird das Ganze sehr kompliziert.
Der prinzipielle Unterschied besteht schon mal in: Solo oder mehrere Personen.
Bei Solo kann ich einfach (falls vorhanden) den kürzesten Wege gehen und einfach versuchen so schnell wie möglich weg zu sein.
Bei einer Gruppe funktioniert das nicht.
Markus K.
16.03.2006, 16:20
Ähm, sorry ich weiß sehrwohl, dass es dir um ein ernstes Thema geht. Ich hab nur nicht verstanden was du mit einer Paniksituation meinst wenn man allein ist. Klar kann man mal Panik bekommen wenn man alleine ist, aber wenn man schon Panik hat glaub ich nicht das man selbstständig viel dagegen tun kann.
präventiv ist es villeicht möglich, wenn man bestimmte anfälligkeiten bei sich kennt, evt. panikauslösende Situationen zu vermeiden. Aber ich denke das versucht sowieso jeder.
oder hab ich deine frage nach unserer Meinung falsch verstanden?
@Shorty,
sorry da habe ich wohl etwas überreagiert. Ich habe manchmal nicht die Zeit, mir in aller Ruhe zu überlegen, was und wie das gemeint war/ist und ich überlese viele Dinge schnell und bekomme dann was in den falschen Hals.
BOT:
Die Aussage "Pech gehabt" möchte ich so nicht akzeptieren, weil ich immer nach einer Lösung bemüht bin.
Natürlich gibt es auch bei mir Situationen, in denen bei mir Panik aufkommt. Ich helfe mir dann damit, dass ich mich voll auf die Lösung des Problems konzentriere und mich dadurch ablenke von der Panik.
Ich habe es eigentlich so gemeint, dass aufgrund von Ereignissen, eine Massenpanik entsteht, die Menschen veranlasst, sich schnellstmöglich von ihrem aktuellen Ort zu entfernen.
Bsp. Bombendrohung in einer grossen Menge.
Es gibt Menschen, die klaustrophobisch veranlagt sind. Ich gehöre nicht dazu. Mir macht es nichts aus, auf Konzerten mitten in der pogenden und stagedivenden Menge zu sein.
Interessanterweise habe ich hier noch keine panischen Menschen erlebt. Sürzt jemand, wird demjenigen sofort wieder auf die Beine geholfen, und zwar so schnell, dass derjenige der gestürzt ist gar nicht weiss was mit ihm passiert.
Ich denke in einer sich bewegenden Menschenmenge kann man nicht gegen den Strom laufen, sondern man muss versuchen irgendwie an den Rand zu driften.
Bin auf weitere Kommentare gespannt.
Gruss Markus K.
Matthias Hake
07.08.2008, 10:23
interessante Themenstellung und Meinungen dazu
das verabreichen von Medikamenten und Präparaten aller Art stellt nach dem deutschen Recht eine Körperverletzung da, ebenso wie das Fesseln von Personen als Freiheitsberaubung gewertet werden kann
also solltet ihr das bitte nicht machen und auch nicht für solche Situtationen darüber nachdenken
Matthias Hake
Mephisto
07.08.2008, 17:34
Was soll das denn schon wieder? Wir reden hier von Extremsituationen, die selbst nach dt. Recht i.d.R. strafbefreit sind. Notstand etc. Aber das hier ist kein Rechtsforum, deshalb bitte ich derartige Beiträge zu unterlassen.
benny_mayhem
07.08.2008, 19:04
@matthias h: ich weiss net was sich immer für leute hierher verirren...wir sind ein outdoor- und survivalforum da bereitet man sich auf ALLE eventualitäten vor. wir geben hier keine anleitungen etwas verbotenes zu tun oder sonstiges. vieles was hier abgehandelt wird tritt nie ein aber das macht eben nen survivler aus....auf alles gefasst zu sein.
dilbert1981
07.08.2008, 20:12
Ich weiß, das Thema ist schon zwei Jahre alt aber meiner Meinung nach wurde ein wichtiger Punkt bisher nicht genannt:
Eine Gruppe verträgt nicht mehrere Alphatiere. Sobald also einer in einer Panik- oder sonstigen Extremsituation das Ruder übernommen hat, sollte man sich möglichst aus der Leitung zurücknehmen oder nur in Absprache mit dem neuen Gruppenführer aktiv werden. Ich habe es schon ein paar mal erlebt, dass aus einer kritischen Situation erst ein Chaos wurde, weil sich manche nur schwer unterordnen konnten.
frank.draeger
11.08.2008, 09:02
1. An welchen körperlichen Symptomen kann man ohne genaue Untersuchung aus nächster Nähe eine aufkommende Panik/Extreme Angst-Stress-Situation erkennen?
Irrationales Verhalten, rum schreien und andere Verrückt machen, sind sichere Anzeichen von Panik.
2. Gehen wir davon aus, ein Gruppenmitglied reagiert Panisch und verliert die Kontrolle über sich. Wie ist damit umzugehen? Mglw. bringt er sich selber und andere Gruppenmitglieder in Gefahr oder sorgt dafür, das andere Gruppenmitglieder ebenfalls in Panik verfallen.
Wenn man sich nicht um die Leute kümmert werden sie erst andere dann sich selbst in Gefahr bringen. Wenn ihr früh erkennt das jemand eine Panik entwickelt, so hab ich es zumindest immer gehalten, gebt ihm was Sinnvolles zu tun, das er spührt, dass er sein Leben noch ein der Hand hat. Bin weder Psychater oder sonstwas in der Richtung, aber hab aus der Praxis gelernt.
3. Gibt es eine sinnvolle Möglichkeit ein Panikopfer medikamentös ruhigzustellen? Wenn ja, womit und was müsste man beachten. Wenn nein, warum nicht?
Valium u.Ä. wurde ja schon aufgezählt, abschließend, weil es glaube ich noch keine Erwähnt hat, möchte ich nur vor diesen Medikamenten in großen Höhen, also oberhalb 2500m warnen, da sie die Atmung verlangsammen und somit Höhenkrankheiten begünstigen oder sogar entstehen lassen können.
Um in einer Akkutsituation jemanden aus zu schalten sicherlich ein Mittel über das man nachdenken kann, stellen sich nur ein paar Fragen:
Was ist wenn wir hier weg müssen, komme ich dann klar mit jemandem der "breit wie eine Autobahn" ist im schwierigen Gelände, oder der gar unweckbar schläft?
Kann ich für genug Wäremerhaltung sorgen?
Wie ist mein Plan für die Zeit nach der Wirkung?
Wie werde ich mich um den jenigen kümmern? Kann ich ihm wenn er wieder nüchtern ist möglichst viele Elemente der Bedürfnispyramide wieder bieten?
Und das sind nur die Fragen die mir spontan eingefallen sind. Ich denke also, mal abgesehen davon ob überhaupt Medikemante zur Verfügung stehen, dass es keine Pauschalantwort gibt nach dem Motto: Klar kann man machen, oder nee, soll man nicht.
Eine Gruppe verträgt nicht mehrere Alphatiere. Sobald also einer in einer Panik- oder sonstigen Extremsituation das Ruder übernommen hat, sollte man sich möglichst aus der Leitung zurücknehmen oder nur in Absprache mit dem neuen Gruppenführer aktiv werden. Ich habe es schon ein paar mal erlebt, dass aus einer kritischen Situation erst ein Chaos wurde, weil sich manche nur schwer unterordnen konnten.
Ja, solche Situationen kenne ich auch, aber vor allem auch, um in deinem Bild zu bleiben, als Konkurierendes Alphatier. "Da stieg ich in einem Bus, wo jemand einen Krampfanfall hat, 2 Leute lagen auf Anweisung des behandelnden Alphatiers auf dem armen Mann, ein anderer versuchte ihm was zwischen die Zähne zu klemmen, nachdem ein anderer bei dem Versuch schon gebissen wurde." Zuerst freute ich mich, dass überhaupt Erste Hilfe geleistet wurde, wollte nicht noch mehr Chaos in die Situation rein bringen, aber als ich dann erkannte das der Patient durhc die viele Rumstoperei an seinem Mund gar keine Luft mehr bekam musste ich doch für Chaos sorgen.
So ist das leider auch in anderen Situationen gewesen, wo nicht der Kompetenteste sondern der mit dem lautesten Organ die Führung übernahm. Spätestens dann wenn eine Führungsstruktur mich selbst oder andere in Gefahr bringt, werde ich mich nicht unterordnen. Absprachen mit selbsternannten Gruppenführern sind meiner Erfahrung nach immer sehr schwierig.
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